G20: Drei Polizisten wegen unbegründeter Gewalt vor Gericht | NDR Info
Jul 2, 2026•Channel
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G20-Prozess in Hamburg: Polizisten gestehen – und zahlen Schmerzensgeld im Gerichtssaal
Neun Jahre nach dem G20‑Gipfel in Hamburg hat vor dem Amtsgericht der einzige Prozess gegen Polizeibeamte wegen mutmaßlicher Gewalt begonnen. Gleich zum Auftakt kam es zu einer unerwarteten Wendung: Die drei angeklagten Polizisten räumten die Vorwürfe ein und zahlten dem Opfer noch im Gerichtssaal ein "spontanes" Schmerzensgeld.
Unerwartete Geste: 500 Euro direkt aus dem Portemonnaie
Während der Verhandlung zog einer der Beamten sein Portemonnaie hervor, nahm mehrere Geldscheine heraus und übergab dem Zeugen 500 Euro. Der Mann, der 2017 von den Polizisten attackiert worden sein soll, nahm das Geld und die Entschuldigung sichtlich überrascht an. „Ich war damals überfordert“, erklärte der Polizist. Beide Seiten besiegelten die Geste mit einem Händedruck – ein Moment, der im Gerichtssaal für sichtbare Irritation sorgte.
Der einzige angeklagte Fall von Polizeigewalt nach G20
Den Beamten, damals Teil einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE), wird gemeinschaftliche Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Das Verfahren gilt als Präzedenzfall: Nach den Ausschreitungen rund um den G20‑Gipfel führte die Staatsanwaltschaft 157 Ermittlungen gegen Polizistinnen und Polizisten. 156 wurden eingestellt – nur dieser Fall gelangte vor Gericht.
Der Vorfall am Bismarck-Denkmal
Laut Gerichtsakten befand sich der damals 20‑jährige Zeuge nicht inmitten der Demonstration, sondern hatte sich auf das Bismarck‑Denkmal zurückgezogen, um die Lage aus sicherer Entfernung zu beobachten. Die BFE‑Einheit sollte zuvor eine Gruppe auflösen, aus der Steine auf Polizeiwagen geflogen waren. Am Denkmal trafen die Beamten auf den jungen Mann. Sie schlugen ihn mit Schlagstöcken und Fäusten – ein Vorwurf, den die Polizisten nun vollständig einräumten.
G20‑Ermittlungen gegen Beamte – die Bilanz
Eingestellte Verfahren: 156
Verfahren mit Anklage: 1 (aktueller Prozess)
Überforderung im Dauereinsatz: Belastungsgrenze überschritten
Die Angeklagten begründeten ihr Verhalten mit der extremen Einsatzlage. Zum Zeitpunkt des Zugriffs befanden sie sich seit rund 24 Stunden im Dauereinsatz – ohne nennenswerte Pausen, unter massivem psychischen und körperlichen Druck. „Der G20‑Gipfel war der belastendste Einsatz meines Lebens“, sagte einer der Beamten. Der Gipfel habe strukturelle Probleme offengelegt: fehlende Ruhezeiten, überlastete Einheiten und eine Einsatzplanung, die viele Kräfte an ihre Grenzen brachte.
Wie es weitergeht
Die Verhandlung wird in den kommenden Tagen fortgesetzt. Das Gericht muss nun klären, welche strafrechtlichen Konsequenzen trotz des Geständnisses und der spontanen Zahlung folgen. Der Fall gilt als wichtiger Prüfstein dafür, wie der Staat mit Fehlverhalten von Einsatzkräften in Ausnahmesituationen umgeht.
00:00 Anklage wegen Körperverletzung im Amt
00:19 Gewaltsamer Vorfall am Bismarckdenkmal
00:58 Aussage der angeklagten Polizisten
01:19 Ermittlungen und späte G20-Anklage
01:47 Identifizierung und Aussage des Opfers
02:07 Entschuldigung und Schmerzensgeld vor Gericht
02:32 Fortsetzung des Hamburger G20-Verfahrens
Neun Jahre nach dem G20-Gipfel in Hamburg ist am Dienstag vor dem Amtsgericht der einzige Prozess gegen Polizisten gestartet. Den drei Beamten wird Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Sie sollen damals am Bismarck-Denkmal einen Demonstranten verprügelt haben. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/gzwanzig-164.html
#ndrinfo #G20 #Hamburg
Foto Thumb: NDR Screenshot //
picture alliance/dpa | Ulrich Perrey
► Vier Jahre nach dem G20-Gipfel in Hamburg ist bislang in keinem einzigen Fall Anklage gegen Polizisten erhoben worden - trotz zahlreicher Anzeigen und 169 Strafverfahren. Mehr dazu: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/gzwanzig418.html
► Politiker, Demonstranten, Randalierer, Schaulustige, Anwohner - und die Polizei: Panorama hat sich mit vielen Facetten des G20-Gipfels beschäftigt. Hier finden Sie alle unsere Beiträge zum Thema. Mehr dazu: https://www.ndr.de/panorama/gzwanzig376.html
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