Kraus vermutet zuvor „geschönte Noten” bei Abi-Desaster
Jul 10, 2026•Channel
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#abitur #schule #bildung
In Mecklenburg-Vorpommern sind rund 34 Prozent der Schüler eines Gymnasiums durchs Abitur gefallen. In einer Wutrede monierte eine Betroffene die Umstände. Der Ex-Lehrerpräsident Josef Kraus vermutet, dass Fehler im System dazu geführt haben.
Der Bildungsexperte sieht in der hohen Durchfallquote einen möglichen Hinweis auf Probleme schon vor der eigentlichen Abiturprüfung. Der ehemalige Lehrerpräsident sagt: „Ich befürchte eher, dass man vielleicht in dieser Schule bei der Notengebung der letzten vier Halbjahre vor dem Abitur relativ großzügig war“ – womöglich auch mit Rücksicht auf Unterrichtsausfall. So könnten Noten entstanden sein, „die den Schülern ein Stück weit auch vorgegaukelt haben, dass sie fit seien für das Abitur“.
Für Kraus ist genau das der entscheidende Punkt: „Wie kann es sein, dass am Ende 34 Prozent der Abiturienten sitzen bleiben und die nicht vorher gescheitert sind?“ Möglicherweise, so Kraus, „hat man ihnen vorher mit geschönten Noten etwas vorgegaukelt.“ Denn auch in Mecklenburg-Vorpommern gebe es vor dem Abitur klare Hürden. Wer in den vier Kurshalbjahren in einer bestimmten Zahl von Fächern schlechter als 4 minus sei, werde gar nicht zugelassen. Daher liege die Durchfallquote in der eigentlichen Prüfung normalerweise nur bei „ein, zwei, drei Prozent“, weil schwächere Kandidaten zuvor an den Zulassungshürden scheiterten.
Grundsätzlich betont Kraus, dass Abiturergebnisse zwischen Jahrgängen und Schulen schwanken. Die Quote von 34 Prozent in Hagenow sei aber „sehr außergewöhnlich“ – gerade in einer Zeit, in der die Noten vielerorts immer besser würden. Der ehemalige Lehrerpräsident warnt deshalb vor einer generellen Entwertung des Abschlusses. Weil die Noten stetig stiegen, verkomme das Abiturzeugnis zunehmend zu einem „ungedeckten Scheck“. Kraus erklärt: „Wenn alle im Abitur eine 2,0 haben, das sind ja mittlerweile fast die Durchschnittsnoten oder wenn alle eine 1,0 haben, dann hat keiner mehr ein Abitur, dann hat auch keiner mehr ein 1,0-Abitur. Also diese Inflation ist eine Fehlentwicklung, eine krasse Fehlentwicklung.“
Zudem werde Eltern und Schülern damit etwas vorgespiegelt, was in der Realität oft nicht eingelöst werden könne. Kraus kritisiert daher auch die Bildungspolitik grundsätzlich. Sie setze zu stark auf hohe Abiturquoten und zu wenig auf Qualität.