Munition in der Ostsee: Wettlauf gegen die tickende Zeitbombe im Meer | NDR Info
Jul 3, 2026•Channel
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Giftige Altlasten im Meer: Der Wettlauf gegen die Zeit
Über 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Ausmaß der explosiven Altlasten immer sichtbarer: Mehr als 1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition rosten in Nord- und Ostsee. Während sich die Metallhüllen zersetzen, gelangen hochgiftige Sprengstoffe ins Wasser. Der Bund hat ein Millionenbudget freigegeben – doch parallel entbrennt ein politischer Wettstreit um den Standort des neuen Bundeskompetenzzentrums für Munitionsbergung. Mecklenburg‑Vorpommern setzt auf Rostock, Schleswig‑Holstein erhebt Anspruch mit eigenen Pilotprojekten.
Warum die Munition jetzt zerfällt: Gefahr aus der Tiefe
In der Ostsee lagern rund 300.000 Tonnen, in der Nordsee weitere 1,3 Millionen Tonnen Munition. Das NS‑Regime nutzte gegen Kriegsende minderwertiges Eisenblech für Hülsen und Bomben. Nach Jahrzehnten im Salzwasser ist dieses Material vielerorts durchgerostet – der Sprengstoff tritt ungehindert aus.
Die Folgen sind messbar:
TNT im Meerwasser: Der Stoff löst sich und gelangt in Muscheln und Fische.
Gesundheitsrisiko: Über die Nahrungskette erreichen krebserregende Verbindungen die Verbraucher.
Wachsende Dringlichkeit: Noch sind die Werte niedrig, doch Experten warnen vor steigenden Belastungen, wenn nicht schnell gehandelt wird.
Rostock im Fokus: Hightech-Bergung am Ocean Technology Campus
Um die Altlasten systematisch zu räumen, hat die Bundesregierung ein Sofortprogramm gestartet und 100 Millionen Euro bereitgestellt. Ziel ist eine industrielle Bergung mit moderner Unterwasserrobotik. Rostock gilt als aussichtsreicher Standort für das geplante Kompetenzzentrum. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) informierte sich vor Ort am Ocean Technology Campus (OTC), wo internationale Forschungseinrichtungen und maritime Hightech‑Firmen neuartige Bergungsroboter entwickeln. Das Testareal vor Warnemünde bietet einzigartige Bedingungen für Erprobung und Einsatz.
Standortstreit im Norden: MV gegen Schleswig-Holstein
Obwohl der Koalitionsvertrag Rostock grundsätzlich vorsieht, ist die Entscheidung offen. Mecklenburg‑Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) wirbt offensiv für MV und verweist auf das weltweit einmalige Unterwasser‑Testgebiet.
Schleswig‑Holstein hält dagegen: Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) – früher Oberbürgermeister von Rostock – fordert eine Bund‑Länder‑Arbeitsgruppe und betont den technologischen Vorsprung seines Landes. In der Lübecker Bucht wurde bereits ein erfolgreiches Pilotprojekt zur Kampfmittelräumung umgesetzt. Schneider zeigte Sympathie für Rostock, stellte aber klar: Die finale Entscheidung fällt erst in den kommenden Wochen.
00:00 Gefährliche Munitionsbergung vor der Küste Boltenhagens
00:18 Toxische Gefahr durch verrostete Weltkriegsmunition im Meer
00:54 Neues Kompetenzzentrum für Munitionsbergung in Rostock gegründet
01:04 Wissenschaftlicher Nachweis von Munitionschemikalien in marinen Tieren
01:23 Offene Fragen zu Personal und Finanzen des Zentrums
01:52 Lebensgefahr und Risiken für Taucher bei Kampfmittelräumung
02:25 Zukunft der Kampfmittelräumung durch KI und Roboter
02:50 Zeitplan und finanzielle Ziele für die Munitionsbergung
Im Kampf gegen die Munitionsaltlasten vor den deutschen Küsten bringen sich Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein als Standorte für ein Bundeskompetenzzentrum ins Gespräch. Welche Vorzüge MV hat, das schaute sich Bundesumweltminister Carsten Schneider am Mittwoch persönlich an. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/munition-106.html
#ndrinfo #Munition #Ostsee
Foto Thumb: NDR Screenshot //
► Geschätzte 300.000 Tonnen Kampfmittel liegen auf dem Meeresgrund der Ostsee. Wissenschaftler haben nun erforscht, wie sich die alte Munition auf die Umwelt auswirkt. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/regionluebecknews2600.html
► Im Meer befinden sich Weltkriegs-Altlasten. Darunter auch giftige Stoffe, die inzwischen in der Nahrungskette nachweisbar sind. Mehr dazu: https://www.ndr.de/fernsehen/nordmagazin/nordmagazin-8158.html
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