Steigende Energiepreise: Bauern setzen stärker auf Glyphosat | NDR Info
Jun 15, 2026•Channel
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Glyphosat erlebt Comeback: Warum viele Felder in Schleswig-Holstein plötzlich gelb sind
Viele Felder in Schleswig-Holstein schimmern in diesem Frühjahr auffällig gelb. Was wie eine frühe Blüte wirkt, ist in Wahrheit das Ergebnis wirtschaftlichen Drucks: Wegen explodierender Dieselpreise erlebt das umstrittene Herbizid Glyphosat ein Comeback. Da pfluglose Bodenbearbeitung massiv Treibstoff spart, greifen immer mehr Betriebe zum Totalherbizid – sehr zum Ärger von Umweltverbänden.
Glyphosat statt Pflug: Hohe Dieselpreise setzen Landwirte unter Druck
Die angespannte geopolitische Lage treibt die Betriebskosten der Landwirtschaft stark nach oben. Besonders Agrardiesel und Dünger belasten die Budgets der Betriebe. Eine Möglichkeit, Kosten zu senken, ist der Verzicht auf mechanische Unkrautbekämpfung.
Der Wechsel vom Pflug zum chemischen Pflanzenschutz spart bares Geld:
Laut Bauernverband ist der Einsatz von Glyphosat rund 16 Prozent günstiger als das arbeitsintensive Pflügen. Pro Hektar sparen Betriebe im Schnitt etwa 25 Euro und wertvolle Arbeitszeit – ein entscheidender Faktor in wirtschaftlich angespannten Zeiten.
Totalherbizid im Fokus: Was ist Glyphosat und wie wirkt es
Das Bundeslandwirtschaftsministerium führt Glyphosat als das in Deutschland am häufigsten eingesetzte Totalherbizid. Der Wirkstoff blockiert zentrale Stoffwechselprozesse der Pflanzen, wodurch sämtliche Kräuter und Gräser auf dem Acker absterben. Die charakteristisch gelbe Färbung der Felder ist ein sichtbares Ergebnis dieser Behandlung.
Zwischen Wirtschaftlichkeit und Gesundheitsrisiko
Die Debatte um Glyphosat ist hoch umstritten:
Bauernverband: Die direkte Giftigkeit für Säugetiere, Vögel und Insekten sei gering. In der aktuellen Krise sei der chemische Pflanzenschutz unverzichtbar.
Weltgesundheitsorganisation (WHO): Sie stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein.
Umweltverbände schlagen Alarm: Sorge um Böden und Artenvielfalt
Naturschutzorganisationen warnen vor langfristigen Schäden. Fritz Heydemann, Landwirtschaftsexperte und stellvertretender NABU‑Landesvorsitzender, betont: „Die chemischen Stoffe verbleiben im Boden und gelangen über Drainagen direkt in unsere Gewässer. Dort schädigen sie Algen und Unterwasserpflanzen und gefährden das ökologische Gleichgewicht.“ Auch der BUND Schleswig-Holstein sieht große Risiken. Sprecherin Sina Clorius warnt, dass der großflächige Einsatz von Herbiziden Wildkräuter am Ackerrand vernichtet, die für Bienen und andere Insekten überlebenswichtig sind.
00:00 Einführung in die Unkrautbekämpfung auf dem Acker
00:21 Glyphosat-Einsatz durch Landwirt Friedrich von Ludowig
00:33 Hohe Dieselpreise treiben Bauern in die Kostenfalle
01:09 Kostenvergleich zeigt Ersparnis durch Glyphosat statt Pflug
01:44 Naturschutzverbände kritisieren Zerstörung des Ökosystems und Artenvielfalt
02:18 Totalherbizide als Baustein der landwirtschaftlichen Unkrautbekämpfung
02:47 Forderung nach sachlicher Diskussion und chemiefreien Alternativen
Hohe Dieselpreise stellen Landwirte in Schleswig-Holstein vor finanzielle Herausforderungen. Laut Bauernverband wird in diesem Jahr deshalb mehr Glyphosat bei der Unkrautbekämpfung genutzt. Umweltverbände kritisieren das. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/glyphosat-316.html
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Foto Thumb: NDR Screenshot //
picture alliance/Christian Ohde
► Wissenschaftler und Landwirte sagen: Statt die Pestizidmenge zu begrenzen, wäre es effektiver, weniger schädliche Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/info/pestizide240.html
► Auf gesunden Böden können gesündere Pflanzen wachsen. Das zeigen Erfahrungen von einem Landwirt aus der Nähe von Stralsund. Wissenschaftlich konnte das nun auch belegt werden. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/feldtag-100.html
► Nach der Walrettungsaktion vor Poel bleiben Fragen offen. Zugleich wächst die Debatte um Meeresschutz und Fischerei. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/buckelwal-272.html
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