Gefahr unter unseren Füßen: So läuft die Entschärfung von Weltkriegsbomben | NDR Info
Apr 4, 2026•Channel
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Verborgene Gefahr unter unseren Füßen: Was mit entschärften Weltkriegsbomben wirklich passiert
Unzählige Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen noch immer im Boden Norddeutschlands. Wird eine Fliegerbombe entschärft, endet zwar die akute Gefahr – doch der Weg des tonnenschweren Relikts ist damit längst nicht vorbei. Von der Bergung über den Gefahrguttransport bis zur finalen Vernichtung durchläuft jede Bombe einen streng reglementierten Prozess. Dieser Blick hinter die Kulissen zeigt, wie komplex und riskant die Entsorgung tatsächlich ist.
Warum selbst entschärfte Blindgänger gefährlich bleiben
Weltkriegsbomben wiegen oft rund 1.000 Pfund und enthalten bis zu 250 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff. In Schleswig-Holstein werden jedes Jahr zahlreiche Altlasten entdeckt – mehr als 80 Jahre nach Kriegsende. Erst wenn die Experten des Kampfmittelräumdienstes die Zünder entfernt haben, ist die unmittelbare Explosionsgefahr gebannt. Doch harmlos sind die Bomben danach keineswegs:
Der Sprengstoff bleibt chemisch instabil.
Alterungsprozesse können das Material unberechenbar machen.
Eine Lagerung ohne Sicherheitsvorkehrungen ist ausgeschlossen.
Mirko Haack vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein betont: „Sprengstoff ist grundsätzlich immer gefährlich.“ Deshalb kommen entschärfte Bomben zunächst in ein gesichertes Zwischenlager – unter strengen Auflagen für Transport und Lagerung.
Der Gefahrguttransport: Ein streng kontrollierter Weg nach Munster
Nach der Entschärfung beginnt der riskante Teil der Logistik. Die tonnenschwere Bombe wird auf einen speziell ausgerüsteten Lkw verladen. Von Schleswig-Holstein führt der Weg zur GEKA in Munster (Niedersachsen), der bundesweit zentralen Einrichtung zur Entsorgung von Kampfmitteln und chemischen Altlasten.
Wesentliche Sicherheitsvorgaben:
Festgelegte Transportroute ohne Tunnel oder Engstellen
Spezialfahrzeuge mit Zulassung für Explosivstoffe
Technik zur Funkenvermeidung
Ständige Überwachung durch geschultes Personal
In Munster lagern hunderte Blindgänger aus ganz Deutschland – alle warten auf ihre fachgerechte Vernichtung.
Zersägen statt Sprengen: Wie die Entsorgung tatsächlich abläuft
Eine unkontrollierte Sprengung im Freien wäre zwar schneller, würde aber erhebliche Schadstoffe freisetzen. Deshalb setzt die GEKA auf ein kontrolliertes, umweltfreundliches Verfahren.
Schritt für Schritt zur sicheren Vernichtung
► Aufsägen der Bombe
Die Hülle wird unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen geöffnet – ferngesteuert aus einem gepanzerten Kontrollraum rund 200 Meter entfernt.
► Entnahme des TNT
Das Sprengmaterial wird herausgelöst und zerkleinert.
► Kontrollierte Verbrennung
Das TNT wird in kleinen Chargen in speziellen Öfen bei 180–600°C thermisch zerstört.
00:00 Explosionsgeschützte Arbeit beim Räumdienst
00:22 Weltkriegsbombe: Gewicht und Sprengstoffmenge
00:40 Warum entschärfte Bomben weiter gefährlich sind
01:04 Gefahrguttransport und strenge Vorschriften
01:37 Ankunft bei der GEKA in Munster
01:57 Zersägen der Bomben und TNT‑Bergung
02:47 Risiken durch gealtertes TNT und Fernsteuerung
03:20 Vernichtung im 600‑Grad‑Sprengofen
03:47 Umweltgefahren und moderne Abgasreinigung
03:56 Blindgängerzahlen in SH und Ausblick
Unzählige Weltkriegsbomben schlummern noch im Boden von Norddeutschland. Entschärft werden sie vom Kampfmittelräumdienst. Damit ist die akute Gefahr erst einmal gebannt. Und für die Bomben beginnt ein langer Weg bis zur Entsorgung - mit strengen Auflagen. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/blindgaenger-126.html
#ndrinfo #Weltkriegsbombe #Deutschland
Foto Thumb: NDR Screenshot //
picture alliance/dpa | Marcus Golejewski //
picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
► Gegen die gefährlichen Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg geht der Kampfmittelbeseitigungsdienst täglich vor. Mehr dazu: https://www.ndr.de/die_nordreportage/sendung1017018.html
► Die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Kiel ist erfolgreich entschärft worden. Zuvor hatten etwa 5.000 Menschen aus diesem Grund ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen. Sie können mittlerweile zurück - Straßensperrungen wurden aufgehoben. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/regionkielnews-1606.html
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