Trotz Reformen bei Bauordnung: Warum Bauen kaum günstiger wird | NDR Info
Jul 4, 2026•Channel
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Wohnungsbau in der Krise: Warum die NBauO-Reformen noch nicht wirken
Die rot‑grüne Landesregierung wollte den Wohnungsbau beschleunigen, Verfahren vereinfachen und Kosten senken. Mit den Reformen der Bauordnung Niedersachsen (NBauO) 2024/2025 sollten Dachausbauten, Genehmigungen und Stellplatzfragen deutlich leichter werden. Zwei Jahre später zeigt sich jedoch: Die Bilanz ist gemischt. Zwar gibt es spürbare Erleichterungen, doch steigende Materialpreise, hohe Zinsen und kommunale Sonderauflagen neutralisieren viele Einsparpotenziale – für Bauherren wie Mieter.
Praxis-Check: 70.000 Euro Zusatzkosten trotz Reformen
Wie stark Bürokratie und kommunale Vorgaben die Kosten treiben, zeigt ein Projekt in Wunstorf (Region Hannover). Projektentwickler Rainer de Groot saniert dort ein denkmalgeschütztes Fachwerk-Ensemble mit sechs Wohnungen und Gewerbeflächen. Trotz neuer NBauO-Regeln bleibt das Vorhaben extrem teuer.
Zwei Beispiele für zusätzliche Kosten:
Sondernutzungsgebühren: Für einen Baustellenkran in der Fußgängerzone verlangt die Stadt 30.000 Euro.
Infrastruktur-Anschluss: Für eine neue Stromleitung zur Versorgung der Wärmepumpen fallen 40.000 Euro an.
De Groot warnt: „Das Ende der Nahrungskette ist der Mieter.“ Die Mieten müssen bei rund 15 Euro/m² liegen – für bezahlbaren Wohnraum ein kaum erreichbarer Wert.
Auflagen-Flut: Was das Bauen wirklich verteuert
Das Beispiel zeigt: Eine modernisierte Bauordnung allein reicht nicht. Während das Land Regeln vereinfacht, bleiben andere Vorgaben auf Rekordniveau. De Groot listet die größten Kostentreiber:
Schadstoffkartierung & Kampfmittelsondierung
Denkmal- und Artenschutz
Brandschutz & Gewässerschutz
Klimaschutzauflagen
Lärm- und Verkehrsgutachten
Komplexe Entwässerungsnachweise
Er kritisiert zudem Detailvorschriften, die den Aufwand unverhältnismäßig erhöhen – etwa die exakte Kelvin-Zahl „insektenfreundlicher“ Baustellenlampen oder zertifizierte Herkunftsnachweise für Rasensaatgut.
Lichtblick 2026: Kommt die Trendwende?
In den Fertigstellungszahlen zeigt sich die Reform noch nicht: 2025 wurden in Niedersachsen nur 15.400 Wohnungen fertiggestellt – ein Rückgang von 20 Prozent. Doch im ersten Quartal 2026 steigen die Baugenehmigungen erstmals wieder. Jörn P. Makko, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Verbandes Niedersachsen-Bremen, mahnt: „Bauprojekte sind Langläufer. Wir brauchen Geduld.“ Entscheidend sei, dass kommunale Behörden die neuen Spielräume der NBauO 2025/2026 mutig nutzen, um Verfahren tatsächlich zu beschleunigen.
00:00 Einführung in die Krise beim Wohnungsbau
00:15 Baukosten-Realität für Immobilienentwickler Rainer de Groot
00:50 Denkmalsanierung und teure Auflagen für Wärmepumpen
01:32 Änderungen der neuen Bauordnung in Niedersachsen
02:28 Offizielle Baustatistik widerspricht den politischen Versprechen
02:50 Bürokratie und Gutachten verhindern günstigere Baukosten
03:52 Hohe Mietpreise und Mangel an bezahlbarem Wohnraum
Niedersachsen hat die Bauordnung 2024 und 2025 entrümpelt - damit mehr Wohnungen entstehen. Bauen sollte günstiger und einfacher werden. Die Bilanz fällt gemischt aus. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/bauordnung-108.html
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Foto Thumb: NDR Screenshot //
► Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Niedersachsen weniger Wohnungen genehmigt und gebaut. Die Landesregierung sieht sich selbst und auch den Bund in der Pflicht, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/bauen-100.html
► Die Stimmung im Wohnungsbau hat sich laut ifo-Institut deutlich verschlechtert. Die Branche kommt weiterhin nicht auf die Beine - und verschärft damit den Mangel an Wohnraum. Mehr dazu: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/wohnungsbaukrise-100.html
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