Immer höhere Mieten trotz Sozialhilfe: Illegale Mieterhöhungen kosten Staat Millionen | NDR Info
Jul 1, 2026•Channel
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Illegale Mieterhöhungen in SH: Wie Vermieter die Allgemeinheit schädigen
In Schleswig‑Holstein treiben einzelne Vermieter rechtswidrig die Mieten für Sozialhilfe- und Bürgergeldempfänger in die Höhe. Was zunächst wie ein Problem für die Betroffenen wirkt, entpuppt sich als systematischer Betrug zulasten der Steuerzahler.
Bad Oldesloe: Überfüllte Beratung – Mieter wehren sich gegen Abzocke
Wie akut das Problem ist, zeigt Bad Oldesloe im Kreis Stormarn. Im Büro der Beratungsstelle „Plan B“ drängen sich mehr als 60 Bewohner der Hölk‑Hochhäuser. Die Luft ist stickig, Sitzplätze fehlen – doch niemand geht. Alle haben Post vom Vermieter erhalten: eine drastische Mieterhöhung. Zwei Anwälte des Vereins Mieter helfen Mietern leiten die Krisensitzung. Ihre Einschätzung ist eindeutig: Viele der Forderungen sind rechtswidrig.
Warum illegale Mieterhöhungen den Steuerzahler treffen
In den Hölk‑Hochhäusern leben viele Menschen, die Bürgergeld beziehen oder als Aufstocker arbeiten. Steigen die Mieten unberechtigt, zahlen die Betroffenen diese nicht selbst. Die Kommunen übernehmen die Kosten der Unterkunft (KdU). Jede unrechtmäßige Erhöhung belastet somit die öffentlichen Haushalte. Sozialarbeiter Jakob Wendebourg warnt: „Viele geben die Schreiben ungeprüft weiter, weil sie Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren.“
Erfundene Vergleichsmieten: Ein Fall zeigt die Dimension
Besonders deutlich wird die Problematik am Fall des ukrainischen Geflüchteten Ivan Khrushchov. Nach elf Monaten in seiner Wohnung soll er plötzlich 12,14 Euro pro Quadratmeter zahlen – rund 15 Prozent mehr. Die Redaktion liegen die Unterlagen vor. „Das ist mir zu viel. Und dem Sozialamt auch“, sagt Khrushchov. Er unterschreibt nicht.
Der Mieterverein stellt klar: Die Forderung ist unzulässig. Da es in Bad Oldesloe keinen qualifizierten Mietspiegel gibt, nutzte der Vermieter – die Leitmeyer Unternehmensgruppe – drei eigene Wohnungen als Vergleich. Experten schätzen die ortsübliche Miete jedoch auf maximal 8,50 Euro. Zudem gilt eine Jahressperrfrist: Vor Ablauf von zwölf Monaten darf keine Erhöhung verlangt werden.
VNW warnt vor Millionen-Schaden im ganzen Land
Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), sieht ein strukturelles Problem: „Es gibt Vermieter, die aus Profitgier die Not der Menschen ausnutzen.“ Der Schaden in Schleswig‑Holstein liegt laut VNW bereits im zweistelligen Millionenbereich. Besonders betroffen sind das Hamburger Umland sowie Kiel und Lübeck.
Überlastete Behörden: Warum Jobcenter oft zahlen müssen
Der Landkreistag Schleswig‑Holstein bestätigt die Problematik. Sprecher Johannes Reimann erklärt, dass unrechtmäßige Mieterhöhungen die Budgets für Sozialleistungen zunehmend belasten. In vielen Sozialämtern fehlt es an Personal und mietrechtlicher Expertise, um jede eingereichte Erhöhung zu prüfen. Ab dem 1. Juli 2026 soll eine Gesetzesreform Abhilfe schaffen. Sie verpflichtet Behörden zu strengeren Prüfungen und soll den Missbrauch von Steuergeldern eindämmen.
00:00 Mieterhöhungen in den Hölk-Hochhäusern Bad Oldesloe
00:14 Ivan Khrushchov: Betroffener Mieter schildert den Fall
00:41 Kosten der Unterkunft: Belastung für Steuerzahler
01:14 Eigentümer rechtfertigt Miete mit eigenen Wohnungen
01:48 Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen kritisiert Profitgier
02:38 Millionenschäden für die Landkreise und Kommunen
03:03 Pflichten der Mieter bei unberechtigten Forderungen
03:21 Reform des Bürgergelds erhöht den Prüfdruck
Landesweit erhöhen einige "Vermieter ohne Anstand" rechtswidrig die Mieten bei Sozialhilfeempfängern, beklagt unter anderem der Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen. Mehr dazu: https://www.ndr.de/schleswig-holstein/miete-130.html
#ndrinfo #Miete #Wohnungsnot
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► Mieterhöhungen sind in vielen Gemeinden Schleswig-Holsteins auf 15 Prozent gedeckelt. Hier gilt die sogenannte abgesenkte Kappungsgrenze. In Hunderten Fällen haben Vermieter trotzdem mehr gefordert. Mehr dazu: https://www.ndr.de/schleswig-holstein/mieterhoehung-100.html
► Schleswig-Holstein braucht dringend Wohnraum. Doch inmitten von Umweltauflagen und Kostensteigerungen rufen viele Neubauprojekte Kritiker auf den Plan. Mehr dazu: https://www.ndr.de/schleswig-holstein/wohnungsnot-144.html
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