Mehr Sonntagsöffnung? Kritik von Gewerkschaften und Kirchen | NDR Info
Jul 7, 2026•Channel
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Handelsverband fordert freie Sonntagsöffnung
In Schleswig-Holstein flammt der Streit um die Sonntagsöffnung neu auf. Der Handelsverband Nord fordert, dass Geschäfte künftig landesweit auch am Sonntag öffnen dürfen. Bislang gilt die Sonntagsöffnung fast ausschließlich in Tourismusorten unter der Bäderregelung. Der Verband sieht die Zeit reif für mehr Flexibilität – auch, weil die Bundesregierung längere Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien angekündigt hat. Geschäftsführer Dierk Böckenholt betont, dass sich das Einkaufsverhalten längst verändert habe: Viele Menschen shoppen sonntags online. Die Entscheidung über Öffnungszeiten solle deshalb den Kaufleuten selbst überlassen werden. Eine rechtssichere, unbürokratische Lösung sei nötig, auch wenn Sonn- und Feiertage im Grundgesetz geschützt sind. Böckenholt ist überzeugt: Öffnen werde am Ende nur, wer genügend Kundschaft hat.
Wirtschaft begrüßt Signal gegen Bürokratie
Unterstützung kommt vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Konjunkturexperte Stefan Kooths sieht zwar keinen großen Wachstumsschub, aber einen wichtigen symbolischen Schritt:
► Weniger Regulierung: Der Staat würde wirtschaftliche Abläufe weniger einschränken.
► Gleiches Spielfeld: Stationäre Geschäfte erhielten dieselbe Flexibilität wie der Onlinehandel.
Für die Wirtschaft wäre die Reform vor allem ein Zeichen moderner, kundenorientierter Rahmenbedingungen.
Gewerkschaften warnen: „Der freie Sonntag steht auf dem Spiel“
Die Gewerkschaft ver.di Nord lehnt die Pläne entschieden ab. Sprecher Frank Schischefsky warnt vor einer schleichenden Entwertung des Sonntags: Wenn er zum normalen Arbeitstag werde, könnten Sonntagszuschläge langfristig wegfallen. Zudem drohe der mühsam erarbeitete Konsens zur Bäderregelung zu kippen – besonders nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Mecklenburg-Vorpommern, das die dortige Regelung aufgehoben hat. Schischefsky stellt die Frage, ob man wirklich für spontane Sonntagskäufe den gemeinsamen Ruhetag opfern wolle.
Nordkirche: Der Sonntag bleibt unverzichtbar
Auch die Nordkirche spricht sich klar gegen eine Ausweitung der Sonntagsöffnung aus. Pastor Wilko Teifke betont die gesellschaftliche Bedeutung des Ruhetags: Er ermögliche Innehalten, Familienzeit, Ehrenamt und Gottesdienst. Die Bäderregelung sei bereits ein weitreichendes Zugeständnis – weitere Ausnahmen würden den Charakter des Sonntags gefährden.
Einzelhandel vor Ort: Skepsis statt Euphorie
In der Praxis zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Citti Park Kiel reagiert zurückhaltend. Centermanager Sascha Warnken verweist auf hohe Personalkosten und die Notwendigkeit klarer, verlässlicher Öffnungszeiten. Ein Flickenteppich aus einzelnen geöffneten Läden würde Kunden eher verwirren. Der Handelsverband Nord sieht darin kein Hindernis: Eine Neuregelung würde lediglich rechtlich absichern, was der Onlinehandel längst vorlebt – Einkaufen rund um die Uhr.
00:00 Umfrage zur Sonntagsöffnung im CITTI-Park Kiel
00:54 Forderung des Handelsverbandes nach Ladenöffnung
01:27 Kritik von Kirchen und Gewerkschaften
01:58 Kosten und Personalaufwand für Einkaufszentren
02:26 Klagedrohung von ver.di gegen Reformen
Der Handelsverband Nord spricht sich dafür aus, dass Geschäfte in ganz Schleswig-Holstein auch sonntags öffnen dürfen. Unterstützung kommt von Wirtschaftsexperten. Kritik dagegen gibt es von Gewerkschafts- und Kirchenvertretern. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/sonntagseinkauf-100.html
#ndrinfo #Sonntag #Handel
Foto Thumb: NDR Screenshot //
picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt
► Am Sonntag oder an Feiertagen einkaufen - auf dem Land ist das nun in sogenannten Kleinstsupermärkten möglich. Mit dem neuen Ladenöffnungsgesetz will die Landesregierung die Versorgung im ländlichen Raum stärken. Mehr dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/ladenoeffnungszeiten-108.html
► Nach Bibliotheken und Bäckereien will auch der Einzelhandel eine Möglichkeit zur Ladenöffnung am Sonntag erstreiten. Unterstützung bekommt er vom Wirtschaftsausschuss des Bundestags. Kirchen und Gewerkschaften sehen den Vorstoß kritisch. Mehr dazu: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ladenoeffungszeiten-100.html
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